Fernsehabgrund Michael Ammer und das Aschenputtel
Wenn nichts mehr geht, dann geht immernoch RTL2. Und mal muss man auch seine Sozialstudien in die Richtung gehen.
Am letzten Montag (28.09.09) lief eine “Reportage”, die mit dem vielsagenden “Das Aschenputtel-Experiment” betitelt war.
Es ging um sowas wie den berühmt-berüchtigten “Frauentausch”, zu sehen auf gleichem Sender. Protagonistinnen waren ein 18jähriges, väterlich gut versorgtes weibliches Persönchen, deren Hauptaufgabe im Leben die Ankurbelung der Wirtschaft durch Verteilung des väterlichen Kapitals in diversen Konsumtempeln, und eine 23jährige Bäckerin aus Berlin, die sich durch Arbeit und Weiterbildung eine bescheidene Existenz aufbauen wollte. Grundsätzlich ist es da für mich nicht schwer die Sympathien zu verteilen. Aber das ist prinzipiell irrelevant.
RTL 2 kauft also 3 Konsumkiddies ein und den in zweitklassigen Beiträgen omnipräsenten Michael Ammer ein um sowas wie ein Leben auf dem upper Level zu inszenieren. Herr Ammer sah übrigens in der Reportage recht wohl aus…nicht so aufgedunsen, wie wir ihn aus diversen anderen Beiträgen in erinnerung haben.
So wurde nun also getauscht. Die Gutsituierte wurde in die Mietwohnung nach Berlin verfrachtet und war natürlich total überfordert…macht ja nix…mit ein bissl Druck und gutem Zureden gings für sie ein paar Stufen nach unten im Standard.
Für unsere Bäckerin aus Berlin wurde es ungleich härter, sie musste sich mit den überverwöhnten Freunden aus der Ich-verfeier-das-Geld-das-ich-nicht-verdient-hab-Fraktion abgeben und erstmal leiden…is sie wenigstens kurzzeitig auf das Niveau gepimpt war, das wohl nötig ist um in den Kreisen wenigstens geduldet zu werden.
Die Party mit Herrn Ammer war dann das übliche Vernichten von alkoholischen Getränken. Als wichtigste Lehre müssen wir wohl mitnehmen, dass eine übergroße Sonnenbrille auf solchen Parties zwingend Pflicht ist. Okay…das merk ich mir…oder auch nicht…
Was mich wirklich beschäftigt hat, ist die Frage inwieweit man mit diesem Lebensstil für sich selbst klarkommen kann. Die Darstellung der Extreme, in denen wir zu leben scheinen, macht dann irgendwie nachdenklich. Zu fehlen scheint der berühmte Mittelweg nach dem Motto, wer arbeitet, kann auch feiern…oder so…
Und wo ist jetzt die Geschichte mit dem Aschenputtel…erinnere ich mich an die Gute Nacht Geschichten meiner Großmutter, ging’s doch irgendwie um ein besseres Leben für das arme Ding, das da familiär ausgebeutet wurde…
Ob Saufparties mit Michael Ammer und ein bisschen Schickimicki das wirklich leisten können wage ich zu bezweifeln…
Ein gerecht und ordentlich bezahlter Job mit dem man zufrieden ist für sich und ein Leben in bescheidenem (!) Luxus möglich ist, mag das wohl eher leisten…
Aber für eine Stunde Fernsehunterhaltung hat’s gereicht…wenn man sich darüber im Nachhinein auch noch ein paar kritische Gedanken dazu macht, kann man das gebotene Schauspiel sogar noch partiell gut finden…irgendwie…












